Kunst im öffentlichen Raum: Klingt doch prima! Ein Podest hier, eine alte muffige Statue da. Vielleicht eher langweilig, mag man meinen. Aber gibt es neben “erwünschten” nicht auch “unerwünschte” Monumente und Kunstinstallationen in unseren Städten? Auch hier im beschaulichen Deutschland?

Ja wohl, lieber Leser. Ein brandaktuelles Beispiel ist die Installation eines Deutsch-Syrischen Künstlers in Dresden, die für große Aufregeung unter den Sachsen sorgt. Und was sagen Sie zu den aufgestellten Bussen neben der Frauenkirche?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Berechtigte Frage.

Ein noch besserer Vergleich wäre in diesem Fall der seit Beginn des diesjährigen Dokumentas in Kassel stehende Obelisk, die in den Augen AfD-Anhänger als „ideologisch polarisierende, entstellte Kunst“ gelte. (shaking my head)

Aber wie man sieht, können Kunst und Monumente im öffentlichen Raum ein eher heikles Thema sein. Prof. Georg Quander spricht diese Schwierigkeit so an:

“Die Auseinandersetzung mit Fragen, die in der Beziehung von Kunst und öffentlichem Raum auftreten, berührt eine grundsätzliche Bedeutung innerhalb der übergeordneten Probleme von Stadtplanung und Stadtgestaltung. Diese Grundsätzlichkeit erwächst zum einen aus der Entwicklung der Kunst selbst, die sich immer wieder neu diesen Fragestellungen widmet; zum anderen betrifft sie das Verhältnis der Kunst zum Betrachter.”

Gut, aber weg von den theoretischen Formulierungen: Reden wir über Charlottesville–die Heimat der University of Virginia, ehemalige Schwester-Universität meiner Alma Mater, wo ich selbst auch am Studienanfang gelesen habe. Eine wunderschöne, mehrheitlich linksliberale Kleinstadt im Herzen des Virginischen Piedmonts. Warum kamen aus ganz Amerika tausende KKK-Anhänger und Neonazis ausgerechnet hierher?

Kurze Frage, längere Antwort.

Bei dem „Unite the Right“ Protest handelte es sich eindeutig um eine der größten Hass-Demonstrationen seit Jahrzehnten, das sei dahin gestellt. Als Auslöser der vielen Ausschreitungen in Charlottesville in letzter Zeit gilt kurzum die Überlegung, ein im Jahre 1929 errichtestes Mahnmal zum Ehren des konföderaten Generals Robert E. Lee zu entfernen sowie die bereits umgesetzte Umbenennung der Parkanlage, in der dieses sich befindet.

Der frühere Lee Park wurde bereits in diesem Jahr in “Emancipation Park” (Emanzipation = Befreiungs- oder Gleichberechtigungspark) umbenannt. Die Petition einer in der Kleinstadt wohnenden afroamerikanischen Schülerin hat das Ganze ins Rollen gebracht: Eine Entwicklung, die in Kreisen ultrarechter Gruppen—mitunter den Anhängern Donald Trumps, die sich durch Ihr Weißsein definieren—für großes Aufsehen sorgte, da sie hierin eine Entsorgung „weißer Geschichte und Kultur” sehen.

Die Tragödie, die sich, als die Protestler auf die Gegendemonstraten trafen, entfaltete, insbesondere die veranschaulichte Reaktion des US-Präsidenten hierzu, wird das Land wohl noch lange beschäftigen. Grundsätzlich Interessant in diesem Fall ist aber eine Frage, die Akademiker und sozialengagierte Bürger seit Jahren beschäftigt: Was tun mit solchen Monumenten, die für den einen Hass und Unterdrückung symbolisieren? Die Rassismus, Sklaverei und Rassentrennung verherrlichen? Immerhin haben diese Männer genau dafür gekämpft.

Müssen die Statuen weg? Gehören diese doch lieber in Museen? Sollten sie dort stehen bleiben, wo sie sind aber um Kontext ergänzt werden, der auf die Gräueltaten der vermeintlichen „Helden“ hinweist? Verliert man mit der Entfernung solcher Statuen ein wichtiges Stück der Geschichte? Oder kann genau dies dazu beitragen, das Wunden, die lange offen sind, endlich ein Stück weit heilen können?

Diese Frage wird aktuell in Richmond, Virginia–einstige Hauptstadt der rebellischen Konföderierten Staaten von Amerika und mein letzter Wohnort in den USA–diskutiert. Der amtierende Bürgermeister, selbst Afroamerikaner, befürwortet eine Beibehaltung der Statuen. Allerdings um den bereits erwähnten Kontext ergänzt. Andere setzen sich wiederum für eine Entfernung der Statuen ein, die sich meilenweit entlang der Prachtstraße Monument Avenue erstrecken. Könnte bald eine ähnliche Aktion wie die gestrige in Baltimore kommen, in der die Statuen mitten in der Nacht entfernt wurde, auch bald nach Richmond? Oder könnten diese doch von Aktivisten während eines Protests abgerissen werden? Dazu ist es diese Woche in Durham im US-Bundestaat North Carolina gekommen.

Das Schicksal der Monumente in der Monument Avenue steht noch in den Sternen. Was aber feststeht, ist das es sehr besorgniserregend ist, dass der Präsident gerade die „Schönheit“ solcher Statuen verteidigt.

Ich vertrete eher die Meinung des in New Orleans amtierenden Bürgermeisters Mitch Landrieu, der Folgendes zum Thema sagte:

„There is a difference between remembrance of history and reverence of it (…) These statues are not just stone and metal. They are not just innocent remembrances of a benign history. These monuments purposefully celebrate a fictional, sanitized Confederacy; ignoring the death, ignoring the enslavement, and the terror that it actually stood for.“

Man sollte nicht so naiv sein und meinen, dass Rassismus durch die Entfernung alter Statuen von jetzt auf gleich aus der Welt geschafft werden kann, so schön das wäre. Aber gerade weil diese von den übelsten Hasspredigern, Rassisten und Rechtsradikalen–eben die Anhänger des Alt-Rights, die die Tragödie von Charlottesville zu verantworten haben–so verherrlicht werden, gehören diese von unseren Plätzen weggeschafft. Und das so schnell es geht.