Richtig richtig aussprechen

Es kommt mir so vor, als würde ich es immer und immer häufiger zu hören bekommen: 

RichtiG – mit einem deutlich ausgesprochenem “G” am Ende. Andauernd. Und immer häufgier im Radio, u.a. in Experteninterviews. 

Da höre ich schön mit als Ausländer und frage mich, was auf einmal in diesem Lande wohl los ist. 

Richtig richtig aussprechen: 

Richtig, richtig ausgesprochen, klingt so: richtich. Es steht sogar so im Duden. Und es ist auch wichtich, richtig richtichauszusprechen. Sonst klingt man idiotisch. Oder so, als käme man aus irgendeiner komischen Ecke Bayerns.

Im Deutschen gibt es ein phonologisches Phänomen, das Ablautverhärtung heißt. Man hört es, sobald ein Muttersprachler versucht, ein englisches Wort auszusprechen: 

Dog klingt wie dock

Auch auf Deutsch: Hund wird nicht HunD mit einem “D” ausgesprochen—es klingt viel mehr wie HunT. Erst in der Mehrzahl kommt ein schönes D raus: Hunde. Vergleichen Sie doch: Hund, Hunde. 

Also angenommen, es wäre doch nicht korrekt, richtig “richtich” auszusprechen. Es müsste dann ja “richtiCK” heißen. Und das klingt erst recht falsch. Sagt ja keiner. Auch nicht die Experten, die im Radio meinen, ganz vornehm alles vor sich hin zu erzählen. 

  • richtig  
  • wichtig
  • ewig
  • traurig
  • fertig

Fertig… genauso fühle ich mich nämlich, wenn ich diese Hyperkorrektur höre. Richtig wäre es, wenn kein einziges G zu hören wäre. Machen Sie unsere Umwelt schöner für die Ohren. Der Verkehr ist ja laut genug. Sprechen Sie richtig richtig aus.  

Und erzählen Sie das bitte weiter. 

Wie wird die Endung „-ig“ korrekt ausgesprochen?

Superior Englisch soll es eigentlich sein aber heute ist es ausnahmsweise Superior Deutsch:

zwanzig

fertig

lustig

Was ist die Standardlautung eines Wortes in der deutschen Sprache, das mit -ig endet?

HINT: Es ist nicht „zwanzick„, „fertick„, „lustick„–wenn ich das höre, macht es mich (korrekterweise!) ganz schön fertich. Ganz richtich. Believe it or not: Korrekt ausgesprochen macht es mich „fertich„. Das ist nicht nur meine Meinung. Und Rheinisch ist es auch nicht. Glaub mir! Es steht sogar so im Duden.

Fertich aus.

König

honig

sperrig

eilig

Da ist jedes Mal in der bundesdeutschen Standardlautung (richtig: dat is‘ echtes Hochdeutsch!) einen wunderschönen stimmlosen palatalen Frikativ (im internationalen phonetischen Alphabet ç⁠ – im Deutschen als „ich-Laut“ bekannt)  zu hören.

van-de-de-cedille-d-gouden-folie-van-de-ballonbrief-c-realistische-alfabet-83737084

Aus Gründen des Wohlklangs wird „-ig“ als „k“ nur realisiert, wenn diese Endung in der Ableitungssilbe (eine Silbe, mit deren Hilfe eine Ableitung eines Wortes gebildet werden kann) erscheint:

Könige

königlich

eilig

lediglich

Da! Das ist ein schönes „k“ zu hören–UND SONST NICHT–es sei denn, man wohnt… keine Ahnung… in Bayern oder Österreich oder so.

Wer schön fleißig „k“ statt „ch“ ausspricht, ist Opfer einer (leider) typisch (falschen) Hyperkorrektur geworden: Man passt also seinen Sprachgebrauch eine als vorbildlich angesehene Sprachvarietät an und nimmt dabei eine über das Vorbild hinausgehende Veränderung vor, was aus Sicht der tatsächlich für vorbildlich gehaltenen Sprachnorm einen Fehler darstellt.

Also macht es fortan doch bitte richtig Kinders!