Wie wird die Endung „-ig“ korrekt ausgesprochen?

Superior Englisch soll es eigentlich sein aber heute ist es ausnahmsweise Superior Deutsch:

zwanzig

fertig

lustig

Was ist die Standardlautung eines Wortes in der deutschen Sprache, das mit -ig endet?

HINT: Es ist nicht „zwanzick„, „fertick„, „lustick„–wenn ich das höre, macht es mich (korrekterweise!) ganz schön fertich. Ganz richtich. Believe it or not: Korrekt ausgesprochen macht es mich „fertich„. Das ist nicht nur meine Meinung. Und Rheinisch ist es auch nicht. Glaub mir! Es steht sogar so im Duden.

Fertich aus.

König

honig

sperrig

eilig

Da ist jedes Mal in der bundesdeutschen Standardlautung (richtig: dat is‘ echtes Hochdeutsch!) einen wunderschönen stimmlosen palatalen Frikativ (im internationalen phonetischen Alphabet ç⁠ – im Deutschen als „ich-Laut“ bekannt)  zu hören.

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Aus Gründen des Wohlklangs wird „-ig“ als „k“ nur realisiert, wenn diese Endung in der Ableitungssilbe (eine Silbe, mit deren Hilfe eine Ableitung eines Wortes gebildet werden kann) erscheint:

Könige

königlich

eilig

lediglich

Da! Das ist ein schönes „k“ zu hören–UND SONST NICHT–es sei denn, man wohnt… keine Ahnung… in Bayern oder Österreich oder so.

Wer schön fleißig „k“ statt „ch“ ausspricht, ist Opfer einer (leider) typisch (falschen) Hyperkorrektur geworden: Man passt also seinen Sprachgebrauch eine als vorbildlich angesehene Sprachvarietät an und nimmt dabei eine über das Vorbild hinausgehende Veränderung vor, was aus Sicht der tatsächlich für vorbildlich gehaltenen Sprachnorm einen Fehler darstellt.

Also macht es fortan doch bitte richtig Kinders!

 

 

„Public Viewing“: Denglisch oder Englisch?

_absolutely_free_photos_original_photos_soccer-ball-on-grass-3264x2448_26056Die WM-Zeit ist wieder da und die Fußballfreunde Deutschlands freuen sich! Naja, die Fußballfreunde Deutschlands freuen sich wahrscheinlich eher nicht so über das Ergebnis von gestern, aber immerhin: Die Zeit des Rudelguckens ist wieder da!

Aber wie sagt man „Rudelgucken“ auf Englisch? Redet man da tatsächlich von einem „Public Viewing“?

In der Tat handelt es sich hier um Denglisch pur. Leider! Denn der Begriff hat sich im deutschen Sprachgebrauch so schön durchgesetzt. Aber wenn ich „Public-Viewing“ als Muttersprachler höre, denke ich als einer aus Virginia an eine Beerdigung!

Wird eine Leiche im Bestattungsunternehmen aufgebahrt–bei uns übrigens sehr häufig mit offenem Sarg–redet man von einem „Viewing“. Das Viewing (der Leiche) wird manchmal in geschlossener Gesellschaft gefeiert aber auch–insbesondere wenn der Tote eine Person des öffentlichen Lebens war–kann das Viewing eben „public“ sein, in welchen Fällen die Totenfeier eben öffentlich zugänglich ist.

Ein „Public Viewing“ im deutschen Sinne ist im Englischen ein „public screening„, wobei alles mögliche bei einem Public-Screening vorgeführt werden kann (wie z.B. Filme usw.), nicht nur Fußball.

Aber dieses Mal sind Sie beim Fußballgucken eine Nummer schlauer als der Durchschnittsfan und können nun Ihre Freunde mit Ihrem skurrilen Englisch-Wissen beeindrucken. In diesem Sinne: Viel Spaß bei den kommenden Public-Screenings, liebe Leser!

Und übrigens: Heißt es „Soccer“ oder „Football“? Nicht nur in den Staaten–sondern in vielen englischsprachigen Ländern–heißt das Spiel natürlich „Soccer“. Fast nur die Briten sprechen von „Football“. Aber wussten Sie, dass das Spiel früher–auch in der UK–„Soccer“ hieß? Dass „Soccer“ ein Amerikanismus wäre! Von wegen!

It might make sense – aber macht das Sinn?

„Das macht Sinn.“

Darf ich das im Deutschen so sagen? Oder bin ich nicht mehr ganz bei Sinnen, wenn mir so etwas über die Lippen kommt?

Seien Sie beruhigt: In der Umgangssprache (es steht sogar im Duden) ist eine solche Formulierung auf jeden Fall in Ordnung. Mir geht es aber jedenfalls nicht aus den Sinn, dass es sich hier um eine eingedeutschte englischsprachige Redewendung handelt: „That makes sense!“

Im engeren Sinn, ergibt eine Sache Sinn… Eine Sache kann auch sinnvoll sein. Wiederum kann etwas genauso gut keinen Sinn ergeben bzw. sinnlos oder ohne Sinn sein.

Aber ob etwas so wörtlich Sinn „macht“? It makes perfect sense to me in English aber auf Deutsch habe ich wenig Sinn für diesen Ausdruck.

Den Meisten, die der deutschen Sprache mächtig sind, dürfte das aber ziemlich egal sein. 🙂

Yanny v/s Laurel: Die neue virale Internet-Sensation

Erinnert ihr euch an „The Dress“, die virale Internet-Sensation schlechthin des Jahres 2015, die blitzschnell durch die englischsprachigen Medien ging? Was war eure Meinung dazu: War das Kleid nun blau oder gold? Ich war von Anfang an ganz klar Team-Blue (und ein blaues Kleid war es tatsächlich) aber viele meinten, das Kleid wäre doch ein goldenes.

Nun teilt die nächste Kontroverse das englischsprachige Internet in zwei Lager: Yanny v/s Laurel – eine kurze Sprechsynthese-basierte Audiodatei, die einem englischsprachigen Online-Wörterbuch entnommen wurde. Folgt dem Link! Was hört ihr denn?

Tatsächlich soll es „laurel“ sein! Hättet ihr eher auf „Yanny“ getippt? Die riesige Diskussion, die ursprünglich auf Instagram an Fahrt gewonnen hat, hat inzwischen dazu geführt, dass auch Sprachwissenschaftler und andere Akademiker einige hochinteressante Kommentare dazu ins Netz gestellt haben. Die originale Datei, eben weil es sich um eine künstlich erzeugte menschliche Sprechstimme handelt, weist ein uneindeutiges Frequenzmuster auf. Dass manche „Yanny“ daraus hören, liegt daran, dass sie ihre Aufmerksamkeit eher auf die höhere Tonfrequenzen in der Audiodatei richten. Die New York Times hat ein spezielles Tool entwickelt, damit man selbst die Frequenz justieren kann, um so eindeutig ein „Yanny“ bzw. ein „Laurel“ beim Abspielen der Datei hören zu können.

Am interessantesten finde ich, sind u.a. das Kommentar von Elliot Freeman, der zur Wahrnehmung an der City University of London forscht: Unser Gehirn kann sich quasi wie ein Radio selektiv auf unterschiedliche Tonfrequenzen einstellen, sobald es weiß, wonach es hören muss. Beim Erlernen einer Fremdsprache ist es ziemlich ähnlich. Wer nicht weiß, wonach man hören muss, versteht nur „Bahnhof“.

Unterschied zwischen watch und look bzw. oversee v/s overlook

see / look / watch – habe ich da etwas übersehen? Heute wollen wir einen Blick auf ein paar Verben werfen–simple Verben, die jeder aus der Schule kennt, die aber trotzdem leicht zu verwechseln sein können.

Während der Bedeutung von „see“ (sehen) ziemlich offensichtlich sein dürfte,  ärgern wir uns insbesondere über den Unterschied zwischen „look“ und „watch“. Es gibt im Deutschen immerhin kaum einen nennenswerten Bedeutungsunterschied zwischen gucken, schauen & Co. Schauen wir uns ein Beispiel an:

Wie ist es einem Film: Habe ich ihn im Englischen eigentlich gelookt oder gewatcht?

LOOK heißt nur „den Blick in einen bestimmten Richtung lenken“ oder „etwas auf eine bestimmte Art und Weise betrachten“. Ich habe den Film also definitiv nicht „gelookt“–ein häufiger Fehler.

  • She looked impatient. She kept looking down at her watch.
  • I look at it like this: you win some, you loose some.

WATCH bedeutet „etwas über einen längeren Zeitraum hinweg aufmerksam beobachten“ oder „Sorgfalt, Vorsicht oder Zurückhaltung walten lassen.“

  • We binge-watched Harry Potter movies last weekend.
  • I try to watch what I eat and exercise regularly.

Habe ich da was übersehen?

Nein, aber das Wort übersehen wird auch häufig falsch ins Englische übersetzt:

OVERSEE ist die „Überwachung (einer Person oder ihrer Arbeit), insbesondere in amtlicher Funktion“, e.g.: The first lady oversees the residence as well as the state floor. – sie verwaltet das Ganze also.

OVERLOOK hingegen bedeutet 1). „etwas nicht bemerken“ oder 2). „einen Blick von oben haben“, e.g.: 1). You seem to have overlooked an important detail. bzw. 2). The castle overlooks the rolling fields of the English countryside. – Im 1. Beispiel haben wir etwas tatsächlich übersehen, während wir im 2. etwas überblicken.

See? Even the puns send your eyes rolling, I hope the explanations were eye opening!

Dauern: Der Unterschied zwischen „last“ und „take“

Der Film dauert 90 Minuten.

Die Fahrt von Düsseldorf nach Wuppertal dauert ungefähr 30 Minuten.

Es dauert und dauert und dauert… aber die entscheidende Frage im Englisch ist, does it take or last?

Ganz richtig: Es gibt zwei unterschiedliche Übersetzungen. Schauen wir die zwei Beispiel von oben an:

Der Film dauert 90 Minuten: The film lasts 90 minutes.

Die Fahrt dauert 30 Minuten: The drive takes 30 minutes. 

Was ist da wohl der Unterschied? Naja… Der Film dauert im Sinne von „lasts“ immer grundsätzlich 90 Minuten. It always lasts this long. Würde der Film im Kino spielen, könnte man den Film nicht verkürzen. Er dauert so lange wie er eben dauert. There is a beginning and end with a fixed duration between the two. Und wir haben keinen Einfluss darauf. Es ist also ein eher passives Erlebnis, dieses dauern. Es ist ein bisschen wie in dem Beispiel „trust me – it won’t last.“ glaub‘ mir, es wird nicht lange so bleiben – fait accompli – eine vollendete Tatsache, worauf man keinen Einfluss hat.

Die Fahrt von A nach B hingegen kann zwar anhand von äußeren Faktoren ziemlich stark variieren je nach Witterung, Verkehrslage, ob es gerade Ferienzeit ist, usw. Man hat aber einiges, worauf man Einfluss hat: Man kann die Strecke wählen, die man fahren möchte. Ich kann meine Fahrgeschwindigkeit (wenigstens wenn die Autobahn frei ist) selbst bestimmen. Ich kann mich kurzfristig für einen Umweg entscheiden, falls der Verkehr auf einmal stockt, usw.  Man kann also davon ausgehen, dass die Dauer der Fahrt in diesem Fall mehr oder weniger recht unterschiedlich sein kann im Sinne von „takes„.  In general or on average, it takes about this long, though maybe a bit more but perhaps a bit less. It depends! Es hängt unter anderem von meinen Entscheidungen ab. Takes beschreibt ein aktiveres Erlebnis von dauern also.

English class lasts 90 minutes. (Even though I wish it lasted longer!)

It takes me about 30 minutes to get ready for work in the morning. (Depending on how fast I drive)

I didn’t expect it would take you this long to get here. (You sure took your sweet time, didn’t you?)

The meeting lasted 2 hours longer than it usually does. (Oh I wish it hadn’t–but I couldn’t change it). 

Hinweis! Beim Einsatz des sogenannten Preparatory „it“, wird das Verb take immer benutzt:

It can take a long time to master a foreign language.

It took her longer than she expected.  

It’s taken him forever to finally make a decision. 

 

 

Karneval in den Vereinigten Staaten

Helau, liebe Karnevalisten! Die fünfte Jahreszeit erreicht hier im Rheinland bald seinen Höhepunkt und neigt sich somit dem Ende zu. Aber kein langes Gesicht: Heute geht die Party für die Meisten erst richtig los. Und auch wenn ich kein großer Karnevalist sein mag, gilt das gewiss nicht für alle gebürtige Amerikaner: Neben den bekannten Karnevalstraditionen in Südamerika und der Karibik, gibt es auch in den Vereinigten Staaten eine große Karnevalstradition und zwar an der Golfküste im Süden der USA.

Dort heißt die große Karnevalszelebration–nach katholisch französischem Vorbild–Mardi Gras (fetter Dienstag), da Louisiana vom 16. bis ins 19. Jahrhundert ein Teil Neufrankreichs war (na gut–nach dem Siebenjährigen Krieg war die Kolonie im britischen bzw. spanischen Besitz–ein wesentlicher Bestandteil ging aber mit der Unterzeichnung des Dritten Vertrages von San Ildefonso an den Franzosen zurück). Erst im Jahre 1800 ging das Territorium mit dem Louisiana Purchase in den Besitz des Vereinigten Staaten über.

Die heutige Mardi-Gras-Feste haben Ihre Wurzeln in den Karnevalshochburgen von New Orleans (Louisiana), Mobile (Alabama) und Biloxi (Mississippi), drei Städte die einst als Hauptstadt der französischen Kolonie diente. Die wohl bekannteste Faschingsfeier ist die von New Orleans, wo bunt kostümierte Krewes–Karnevalsvereine–in der letzten Woche vor Aschermittwoch ein tägliches Programm (wenn es das Wetter zulässt) an Umzüge, Musik-Events, Straßenfeste, Bälle und Maskenbälle organisieren.

Es geht bei uns, jedenfalls in Louisiana, bei Karneval also richtig zur Sache. Das Event ist ein alljährlicher Hit bei den Touristen, die in regelrechten Horden nach New Orleans zum Mitfeiern strömen. Es schadet bestimmt nicht, dass das French Quarter–ein Stadtteil von New Orleans das auch bis heute als Vieux Carré bekannt ist–zu den wenigen Gebieten in den Vereinigen Staaten, wo es grundsätzlich erlaubt ist, Alkohol auf offener Straße zu konsumieren. Dies ist nämlich aufgrund von sogenannten Open-Container-Laws fast überall sonst untersag… außer, natürlich, in Fredericksburg, Texas–der Heimat der Texas Deutsche–wo man, zumindest in der Innenstadt, Bier und Wein auf offener Straße genießen darf. Very German American.

Lasst in diesem Sinne in den kommenden Tagen die Korken knallen! Eine jecke Karnevalszeit mit ordentlichem Schunkeln wünsche ich!

 

Berufsbezeichnungen im Englischen: groß- oder kleinschrieben?

„General Manager“. Im Deutschen ein eindeutiger Fall: Die Berufsbezeichnung–wie alle Nomen überhaupt im Deutschen–wird immer grundsätzlich groß geschrieben! Im Englischen hingegen–eine Sprache, in der ausschließlich „proper nouns“ (zu Deutsch „Eigennamen“) großgeschrieben werden–ist das leider nicht so ganz simple.

Da denken Sie „ja ja aber wann ist denn ein Name Bitteschön ein Eigenname?“

Tja.. am besten hält man sich an den unterstehenden Spielregeln.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an:

  • Erscheint die Berufsbezeichnung als Überschrift (z.B. in einem CV), wird sie großgeschrieben:
    • e.g., Director of Sales (2011–Present)
  • Steht die Berufsbezeichnung vor dem Namen einer Person, quasi als Teil des Namens, so wird sie ebenfalls großgeschrieben
    • e.g., “Vice President of Sales Max Mustermann.”
  • Nimmt man Bezug auf die Berufsbezeichnung im fließenden Text, wird er kleingeschrieben:
    • Ex: “As vice president of sales, I brought in ten new accounts within two months.”
  • Steht die Berufsbezeichnung hinter Ihrem Namen, wird sie ebenfalls kleingeschrieben:
    • e.g., “Max Mustermann, vice president of marketing.” [Dies gilt im Übrigen genauso, wenn „the“ vor der Berufsbezeichnung steht wie z.B.:  “the vice president of marketing, Max Mustermann…”
  • Erscheint die Berufsbezeichnung in Zusammenfassungen, Zielsetzung oder in einem allgemeinen Textabschnitt, wird er ebenfalls kleingeschrieben.
    • e.g., “I coordinated and implemented projects on behalf of the director of quality management, the director of global operations and the human resources manager for a multinational company.”

Alles klar?

Viel Spaß beim Schreiben!

Wie die Amis Sylvester feiern

Frohes neues Jahr, liebe Leser!

Und wie haben Sie denn das neue Jahr eingeläutet? Mit Raclette? Bleigießen? Mit Böllern, Wunderkerzen & Co.? Das wäre schon so ziemlich typisch deutsch.

Wie machen es die Amis denn?

Das neue Jahr wird in den Staaten recht unterschiedlich eingeläutet. Viele Religionsanhänger z.B. verbringen den Sylvesterabend tatsächlich in der Kirche und feiern Gottesdienste–sogenannte Night Watches–die bis in den Morgenstunden hinein reichen. Das ist unter Methodisten, Baptisten und Anhänger der Pfingstbewegung besonders weitverbreitet.

Aber die wohl bekanntesten Feierlichkeiten zu Sylvester finden jedes Jahr im Times Square von New York City statt. Vielleicht haben sie schonmal von Mariah Careys katastrophaler Performance vom Vorletzten Jahr gehört? Falls nicht, sollten Sie sich das hier schonmal anschauen:

Wow. Ich habe den Auftritt letztes Jahr live bei meinem Bruder und seiner Frau in Louisville Kentucky am Abend vor meiner Rückflug nach Deutschland miterleben dürfen. Wenigstens bietet uns die deutsche Sprache ein hierfür perfekt geeignetes Wort: Fremdscham!  Mariah-Fans können aber beruhigt sein: Dieses Jahr gilt Carey nach Ihrem Sylvester-Performance allerdings als rehabilitiert–alles sei ihr, laut diesem Artikel von gestern in der New York Times, wesentlich besser gelungen.

In der Tat verbringen sehr viele Amis den Sylvesterabend genau auf diese Art und Weise. Also nicht im Times Square vor Ort, sondern gleich vor dem Fernseher, um uns die Liveübertragung aus New York anzuschauen. Obwohl ganz live ist man da inzwischen nicht mehr zugeschaltet. Seit Nipplegate–ein Auftritt Janet Jacksons in der Halbzeitpause des Super Bowl XXXVIII, bei dem Jacksons rechte Brust entblößt wurde–werden große „Liveübertragungen“ erst mit einigen Sekunden Verzögerung ausgestrahlt. Damit so etwas schlimmes uns prüden Amis bloß nicht wieder passiert.

So ging es am Sylvester jedenfalls in meiner Familie zu: Rauf aufs gemütliche Sofa, um das Geschehen in New York aus bequemer Entfernung zu beobachten. Das große Ereignis dabei sind nicht die Specials oder die Promi-Moderatoren sondern natürlich das Herunterlassen des großen beleuchteten Kugels am Wolkenkratzer One Times Square um Mitternacht.

Wie aufregend… wenigstens ist das historisch begründet. So aufregend und maßgebend ist dieser Brauch in der Tat, dass viele andere Städte und Dörfer in den Staaten einen ähnlichen Sylvesterritus eingeführt haben. In Fredericksburg im Bundesstaat Virginia, z.B.–dort bin ich übrigens zur Uni gegangen–wird eine bunt beleuchtete Ananas um Mitternacht heruntergelassen. Warum auch immer. In Atlanta im Bundesstaat Georgia gibt es den berühmten „Peach Drop“. Da wird das Staatssymbol–der Pfirsich–heruntergelassen. In Brasstown im Bundesstaat North Carolina geht es meiner Meinung nach am skurrilsten zu: ein lebendiges Opossum in einem Glaskäfig wird dort um Mitternacht heruntergelassen, allen wohlwollenden Tierschützern zu Trotz.

Während wir in Deutschland am Sylvester unser Problem mit der Feinstaubbelastung zuerst einmal gedanklich gerne ausblenden, lassen wir Amis Gurken, Käseblöcke, Kartoffeln, Wassermelonen, Oliven und sogar einen echten toten Karpfen ganz zeremoniell zum Einläuten des neuen Jahres herunter.

Jeden das seine, nicht wahr?

Und in diesem Sinne–egal wie Sie gefeiert haben–wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für 2018!

Dictionary.com: Wort des Jahres 2017

Dictionary.com hat kürzlich wie dieses Jahr ein Wort des Jahres gekürt–ein Wort, das das Zeitgeschehen verkörpert oder symbolisiert.

Und welches Wort darf es dieses Jahr sein?

*drumroll please*

complicit (adj.) – having involvement with wrongdoing – zu Deutsch also mitschuldig oder an etwas Illegalem oder Unmoralischem beteiligt sein

Eine brandaktuelle Grundfrage in den Vereinigen Staaten von heute, diese Frage der Complicity. Wer trägt–oder in welchem Ausmaß tragen gar alle U.S.-Amerikaner–eine Mitschuld für das, was in Washington, D.C.  abspielt? Eine unangenehme aber essentielle Frage, sollten wir künftig einen anderen Weg einschlagen wollen.

Ein Link zum Artikel (NYTimes) finden Sie hier: